29. April 1940

Second World War Europe 04 1940 de
Europa während des Unternehmens Weserübung (Ende Apr. 1940), gemeinfrei über Wikimedia Commons, 04.2015.
O., am 28. April 1940.

am Sonnabend.

Herzallerliebster! Mein lieber, lieber [Roland]!

[N]ach richtiger Zeit ist es jetzt um sieben. Ich liege schon im Bett. Es ist heute das erste Mal, daß ich so richtig matt bin. Es würde Dir — glaub‘ ich — Spaß machen, mich so zu sehen! Wovon wirst Du fragen? Vom Arbeiten! Du! Ach, Du glaubst ja nicht, wie das Schaffen in der Luft und der ungewohnte, dauernde Umgang müde machen. Seit Donnerstag geht das nun ununterbrochen. Da haben wir Wäsche gewaschen bis nachts in die 12. Stunde. Freitag früh um 5 raus und alles auf die Bleiche in den Garten gebracht. Dann gearbeitet im Betrieb von ½ 7 bis abends 5 Uhr. Daheim angekommen, gleich nach dem Abendbrot die Wohnung sauber gemacht, die Hausordnung erledigt, den Oberboden gewischt; natürlich auch überall Fensterrahmen abseifen und Scheiben putzen[.] Die übrigen Doppelfenster habe ich mit Mutter herausgenommen. Um 11 bin ich in’s Bett gekrochen; so müde. Weiterlesen!

26. April 1940

AHW Postamt N22 Gohlis Leipzig 1926
Postamt N22 in der Friedrich-Karl-Straße 12 (heute Sasstraße) in Leipzig-Gohlis, 1926, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 04.2015.

S. am 26. April 1940

Herzallerliebste, Du meine liebe [Hilde]!

Ohne jede Verabredung haben sich uns[e]re Boten gekreuzt. Ich habe [^]mich so gefreut darüber und über alles, was Du mir schreibst, Liebste! Am meisten aber doch darüber, daß Du mich bittest, wiederzukommen, Herzallerliebste, zu Dir! Weißt Du, wie gern ich komme? Du! Und nun erst recht, da es Frühling ist, richtiger Frühling, Du! Frühlingszeit, die Zeit (Zeit) der Liebenden, unsere Zeit! Du weißt, manchmal kam ich mir schon so alt vor, wenn ich die neue Zeit nicht verstehe und die Hohlheit ihrer Erscheinungen. Aber wenn ich bei Dir sein kann, Herzlieb, dann kann ich so froh und glücklich sein wie die Kinder. Liebste Du, wenn ich so jung bleibe wie mein Vater, brauchst Du nicht zu fürchten, daß ich Dir einmal zu alt werde. Viel wärmer bin ich ja schon als Du, Fischblut, Nixchen! Deine Sonne will ich sein, Dein Sonnenstrahl, Du! Weiterlesen!

25. April 1940

1940 Bombing of Voss, 02
Der Bombenabwurf auf Voss, Norwegen. April 1940. Bild: Harald Ødegaard, über Wikimedia Commons, 04.2015.
[400425-1-1]

S. am 23. April 1940

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Das ist jetzt ein Wettlaufen des Frühlings!  Nun hat der S.er Frühling den O.er bestimmt überholt, er hat es ja auch leichter in dieser Lage.  Die Weiden sind schon richtig grün, und aus den Wäldern wollt es gelbgrün von zarten Schleier der Birken.  Du!  Solche Tage, solches Wetter magst Dir für Deine Ferien bestellen!

Und solche Abende, an der Elbe entlangzuschlendern oder vom Balkon oder von der Gartenbank mit Dir zu lauschen und zu plaudern, Liebste Du!  Soviel Süßigkeit ist (uns[e]rer) [^]uns jetzt zugedacht, Du!  Soviel sorglose, unbeschwerte Heiterkeit!  Liebste, Du!  Keine Stunde mag ich davon verschenken, keinen Tag möchte ich mir entgehen lassen, der mich mit Dir zusammenführt! Weiterlesen!

24. April 1940

[400424-​2-​1]

O., am 24. April 1940.

Am Mon­tag.

Herz­al­ler­liebs­ter! Du, mein [Ro­land]!

Zu mei­nem Käm­mer­lein bin ich wie­der, in mei­nem Bett­lein schla­fe ich wie­der, Du! Ich sehe Dich auf zwei Bil­dern ne­ben mir auf dem Nacht­tisch ste­hen. Du siehst her zu mir. Du! Wie ich Dich lie­be!

Ich kann es ja nicht aus­spre­chen, Ge­lieb­ter!

Du hast mich so sehr be­glückt an mei­nem Ge­burts­ta­ge  — und mit dei­nem Be­such!

Wie kann ich es Dir nur dan­ken, Du? Wei­ter­le­sen!

T&S Praktika

TS_contributor_avatar-smT&S bie­tet die Mög­lich­keit, Prak­ti­ka an der Uni­ver­si­ty of Missouri-​Kansas City zu ab­sol­vie­ren, um an T&S“ teil­zu­neh­men. In der Ver­gan­gen­heit ha­ben schon Stu­die­ren­de un­ter­schied­li­cher Uni­ver­si­tä­ten und wis­sen­schaft­li­cher Dis­zi­pli­nen Prak­ti­ka in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ab­sol­viert, um sich an T&S“ zu be­tei­li­gen. Wei­ter­le­sen!