29. Januar 1940

Johannes gumpp
Johannes Gumpp, Selbstbildnis, 1646, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 01.2015.
[400129-1-1]

S. am 29. Januar 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Bis gegen 9 Uhr habe ich gestern im Bett gelegen. Ich kam darauf zu sinnen, welchen Weg mein Leben bisher genommen hat. Dieser Weg ist so mannigfach verschlungen, hat soviel Seitenäste und Stationen, daß ich erstaune, und wenn ich mir die Bilder vergegenwärtige, so kommen mir manche eben nur noch wie Bilder vor, so fern und unwirklich. Und auf diesen Bildern sehe ich mich selbst, wie ich gewachsen bin. Ein Reisender kommt gewiß viel mehr herum und weiter hinaus. Aber ich war auf meinen Reisen doch überall gezwungen, länger Station zu machen, Menschen kennen zu lernen und meine Kraft anzusetzen. Jede neue Station mußte ich für einen neuen Mittelpunkt ansehen. Weiterlesen!