31. Januar 1940

Fotothek df tg 0008056 Ständebuch ^ Mediziner ^ Arzt
Georg Rab, Der Doktor, 1568, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 01.2015.
[400131-2-1]

O., am 31 Januar 1940

Herzallerliebster, mein lieber, lieber, [Roland], Du!

Du hast mir ja heute so große Freude bereitet, mit Deinem so lieben Brief! Es kam mir ganz unerwartet, und ich bin so froh und glücklich über das, was Du mir schreibst. Du, ich danke Dir!

Damit Du, Lieber ganz ohne Sorge sein sollst, will ich Dir gleich heute noch ein Zeichen geben.

Ich habe dir doch wohl nicht recht dummes Zeug geschrieben am Sonntag?, ich muß ein wenig Fieber gehabt haben — das fühlte ich erst am ander[e]n Tag deutlich, als ich wieder ganz klar war im Kopfe — ich war so ruhelos und durcheinander und ich hätte können kein Auge zu tun, wenn ich nicht den Brief an Dich fertig geschrieben haben würde. Weiterlesen!

29. Januar 1940

Johannes gumpp
Johannes Gumpp, Selbstbildnis, 1646, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 01.2015.
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S. am 29. Januar 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Bis gegen 9 Uhr habe ich gestern im Bett gelegen. Ich kam darauf zu sinnen, welchen Weg mein Leben bisher genommen hat. Dieser Weg ist so mannigfach verschlungen, hat soviel Seitenäste und Stationen, daß ich erstaune, und wenn ich mir die Bilder vergegenwärtige, so kommen mir manche eben nur noch wie Bilder vor, so fern und unwirklich. Und auf diesen Bildern sehe ich mich selbst, wie ich gewachsen bin. Ein Reisender kommt gewiß viel mehr herum und weiter hinaus. Aber ich war auf meinen Reisen doch überall gezwungen, länger Station zu machen, Menschen kennen zu lernen und meine Kraft anzusetzen. Jede neue Station mußte ich für einen neuen Mittelpunkt ansehen. Weiterlesen!

28. Januar 1940

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O., am 28. Januar 1939 [1940!].

Herzallerliebster, mein lieber, lieber [Roland]!

Sonntag ist nun heute, und ich bin allein, und wenn für mich rechter Sonntag sein soll, dann mußt Du bei uns sein, Liebster! Es geht nicht an, daß wir alle Feiertage zusammen sein dürfen. Und dies ist wohl auch eines der äußeren Zeichen mit, daß wir noch nicht für ganz uns angehören. Ich bin nicht traurig oder kopfhängerisch deshalb — obwohl wir das Recht hätten, nach 6 arbeitsreichen Tagen gemeinsam Sonntag zu feiern — ich nehme es als Selbstverständlichkeit, wenn ich die Umstände und noch die jetzigen Verhältnisse bedenke. Ich bin ja auch schon so glücklich und ganz zufrieden, wenn ich daran denke, daß wir die Frist, die zwischen unseren Begegnungen liegt, schon auf 14 Tage herabgedrückt haben, Du! Weiterlesen!

23. Januar 1940

HMS (H02) Exmouth in leaving the port of Bilbao in 1936
Der britische Zerstörer HMS Exmouth, der am 21. Januar 1940 von einem U-Boot versunken wurde. Bild: Jesús Elósegui Irazusta, 22. Oktober 1936, über Wikimedia Commons, 01.2015.
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S. am 23. Januar 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Schreiben soll ich Dir, damit Du gewiß seiest, daß es mir gut geht und daß ich Dich liebe. Du! Daß ich Dich liebe, diesen Beweis will ich Dir gern und immer aufs neue erbringen. Ich brauche ihn wohl nicht von allem Anbeginn zu führen, und Du wolltest mit Deinen Worten doch wohl sagen, daß es Dich beglückt, wenn ich Dich meiner Liebe versichere, Du wolltest damit gewiß nicht meine Liebe in Zweifel ziehen. Weiterlesen!

23. Januar 1940

Bundesarchiv Bild 170-272, Potsdam, Putte an der Fahnentreppe am Stadtschloß
Max Baur, Putte an der Fahnentreppe am Stadtschloß, Potsdam, zwischen etwa 1928 und 1944. Der Winter 1939/1940 war am kältesten in Europa seit über 100 Jahren. Bild: DBa, Bild 170-272 / Max Baur / CC-BY-SA, über Wikimedia Commons, 01.2015.
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O., am 23. Januar 1940.

Herzallerliebster, mein lieber, lieber [Roland]!

Mitten im strengen Winter ein Gruß, der wie ein warmer Sonnenstrahl mich trifft und ganz plötzlich ein ungestümes Sehnen nach dem Frühling in mir wach ruft. Frühling und Liebe — junges, zartes, aufbrechendes Grün — aufquellende Seligkeit im Herzen; welcher junge Mensch kennt sie nicht, die süßeste der Jahreszeiten? Weiterlesen!