29. September 1939

Stuttgart Stiftskirche Taufkapelle Predella Detail Teufel.jpg
Stutt­gart Stifts­kir­che Tauf­ka­pel­le Pre­del­la De­tail Teu­fel, Foto: An­dre­as Praef­cke, Li­zen­ziert un­ter CC BY 3.0 über Wi­ki­me­dia Com­mons, 09.2014

390929-​1-​1

S. am 29. Sep­tem­ber 1939.

Herz­al­ler­liebste, mei­ne lie­be, lie­be [Hil­de]!

Dei­nen lie­ben Brief habe ich heu­te schon vier­mal ge­le­sen. Er ist um­wit­tert von unser[e]m sü­ßen Ge­heim­nis. Du! Ich bin so glück­li­ch dar­über, wie Du emp­fin­dest,

Aber ich kann heu­te da­bei nicht ver­wei­len. Heu­te muß ich mich durch den letz­ten Berg Ar­beit fres­sen. Und dann darf ich in die Fe­ri­en zu Dir, Liebste, zu Dir! Das kann ich so frei und freu­dig zum ers­ten­mal sa­gen. Du! Du!

Julien Bryan - Look - 64528.jpg
Ju­li­en Bryan, Can Hitler’s Light­ning War Do This To Eng­land,” Look Ma­ga­zi­ne (5. De­zem­ber 1939): S. 10-​13, USHMM Foto #64528, Li­zen­ziert un­ter Pu­blic do­main über Wi­ki­me­dia Com­mons, 09.2014

Aber Du mußt Dich mit Dei­nem Emp­fang bis Sonn­tag­abend ge­dul­den. Am Sonn­tag­mit­tag muß ich noch eine Müt­ter­eh­rung aus­ge­stal­ten hel­fen. Ich kann erst … Uhr hier weg [u]nd wer­de ge­gen … in O. sein kön­nen. So leid es mir ist um den ver­lo­re­nen Sonn­tag, so kommt mir doch die hin­aus­ge­scho­be­ne Ab­rei­se zu­stat­ten, mei­ne Ge­schäf­te mit grö­ße­rer Um­sicht und Ruhe ab­zu­wi­ckeln. Ich kann dann ru­hi­ge­ren Ge­wis­sens in die Fe­ri­en fah­ren. Ja Du, ein Ge­wis­sen hat Dein gro­ßer Teu­fel. Wenn Du ihm das aus­trei­ben könn­test, wäre er Teu­fel vom Schei­tel bis zur Soh­le [vgl. Ro­de­rich Be­ne­dix, Der Gold­teu­fel: Dra­ma­ti­sches Volks­mär­chen in Fünf Auf­zü­gen, 1861, 4. Auf­zug, 7. Auf­tritt, Gott­hard: Ver­dammt bin ich vom…“]

Bit­te grü­ße Dei­ne lie­ben El­tern, sage Ih­nen Dank für Ihre Be­reit­schaft, mich wie­der 8 Tage zu her­ber­gen. Dich aber möge Gott be­hü­ten.

T&SavatarsmBald, Liebste, Herz­al­ler­liebste, Fe­ri­en bei Dir! Du! o Du! Ich küs­se Dich! Ich lie­be Dich, Du!

Dein [Ro­land].