17. November 1938

[381117-1-1]

L. am 17. November 1938.

Liebe [Hilde]!

Vielen Dank für Ihre Briefe. Seit ich mir überlegt habe, wie wenig Zeit Ihnen bleibt, einen Brief zu schreiben, ungestört zu schreiben, rechne ich Sie sie [sic] Ihnen doppelt.

Was Sie abends fortschicken, erreicht mich regulär am übernächsten Tag früh. Wenn ich es abhole, wie heute, Nachmittag des nächsten Tages. Eben lese ich aus dem Stempel, daß Sie den Brief erst heute morgen in den Kasten gesteckt haben, jetzt ist er schon in meinen Händen. Ihre Karte lag auf meinem Tisch, als ich gestern abend gegen ¼ 8 zurückkehrte. 8 Stunden lag ich auf der Bahn, trotzdem brachte die Reise inneren Gewinn. Wenn man Abstand nimmt von einer Arbeit, sieht man manches mehr und anders als aus der Nähe. Der Wechsel des Ortes, des Schauplatzes, macht mich schnell innerlich frei und locker. Das beobachte ich schon bei dem Wechsel von Schule und Zuhause. Weiterlesen!