16. November 1938

[381116-2-1]

O., am 16. Nov. 1938.

Lieber [Roland]!

Draußen herrscht unfreundliches Wetter, sehr trübe ist es — ein wenig beherrscht es sogar meine Stimmung. Ich war heute nicht zum Gottesdienst, die Kantorei hat auch nicht gesungen.

Jetzt halten die Eltern noch Mittagsruhe, meine Gedanken sind bei Ihnen. Ich befürchte, daß Sie meine Karte nicht mehr erreichte, das täte mir so leid.

Wie lange doch diese Unstimmigkeit nachwirkt in uns. Es ist rührend, wie Sie sich sorgen und mühen, um mir das Herz zu erleichtern. Lassen Sie mich nochmals herzlich danken für Ihren letzten Brief. Er läßt mich wieder hoffnungsvoller blicken in die Zukunft. Freilich werden noch viele Steine auf unser[e]m Wege liegen, große und kleine. Doch wir wollen sie mit Gottes Hilfe überwinden, im Glauben an einander und im Glauben an die Stärke und das Gute in uns.

Lassen wir nun das Trübe hinter uns — freuen wir uns des Kommenden. Sie haben mich mit Ihrer Hoffnungsfreudigkeit angesteckt: Es wird alles wieder gut werden. Weiterlesen!