07. November 1938*


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O., am 7. November 1938.

Lieber [Roland]!

Wie könnte ich noch so traurig sein wie vorige Woche? Bitte seien Sie ganz beruhigt und zuversichtlich. Ich fühle es, daß ich überwunden habe. Ich bin Ihnen so sehr dankbar für Ihren lieben Brief. Daß ich Ihnen so viel Sorge machen muß! Sie Armer, die Einsamkeit lässt Sie doppelt leiden, und Ihre Umgebung ruft immer wieder die Erinnerung an diese Stunden wach.

Auch einmal entfliehen können in sein eigenes kleines Reich, vor den quälenden Blicken and[e]rer — so schön muß das sein. So wie Sie[,] die Gedanken niederschreiben können, wie sie mich gerade zu der Stunde bewegen, in der ich mich mit einem lieben Menschen beschäftige; ohne daß ich von neugierigen oder erstaunten Blicken belästigt werde. Danach sehne ich mich.

Es ist oft schwer, alle Empfindungen so wirklichkeitsnahe im Gedächtnis aufzubewahren, bis die Stunde da ist, in der man einmal ungestört alles niederschreiben kann.

Weil ich die Einsamkeit entbehren muß, sehne ich mich nach ihr. Uns[e]re letzte Begegnung steht immer noch im Mittelpunkt des Geschehens. Ich möchte Ihnen so gerne erklären helfen.

Der Hauptgrund mag wohl sein, daß uns[e]re Verbindung noch zu zart und jung ist, um allen äußerlichen Einflüssen gewachsen zu sein. Eine gewisse Scheu hält uns einander noch fern, weil wir uns eben noch zu wenig kennen und wie Sie schon ganz richtig sagten, uns verbinden noch zu wenig gemeinsame Erlebnisse. Die Sicherheit fehlt. Jetzt komme ich dahin, daß ich mir eingestehen muß, im Vergleich zu Ihnen bin ich noch ein rechtes, dummes Kind. Es ist keine Entschuldigung wenn ich sage, daß ich im Verkehr mit fremden Menschen noch unerfahren bin. Man muß immer, wo man sich auch befindet, seinen Mann stehen. Das ist eine Tatsache, mit der man sich in meinem Alter längst abgefunden haben müßte.

Ich schäme mich, wenn Sie sagen, ich sei ganz unschuldig. Der Schreck über den Besuch und die Angst irgend etwas Dummes anzustellen oder zu sagen, was Ihnen zum Nachteil gereichen könnte, machten mich schüchtern und schweigsam.

Ich war dann so bedrückt, als ich zusah, wie Sie und Ihre Verwandten die Situation zu meistern verstanden und für mich so unverfänglich wie nur möglich zu gestalten.

Der Montagnachmittag — jeden Tag um die gleiche Zeit muß ich daran denken, Sie sahen nach der Uhr. Das Buch trug Schuld daran.—

Ich will Ihnen die Gedanken anvertrauen, die mich in diesen Tagen nicht mehr losließen: Es muß anders werden. Es muß irgend etwas geschehen, was mich völlig herausreißt aus meinem bisherigen Schaffen. Ich müßte eine Zeit unter ander[e]n Menschen leben, müßte Aufgaben haben, denen ich mich mit Hingabe widmen könnte. Ich stehe Ihnen um vieles nach. Wenn ich auch noch sehr jung bin und Ihnen an Wissen niemals gleichkommen kann. Doch ich müsste zu Menschen gehen, bei denen ich meine Unsicherheit ablege; zu Menschen die mich das lehren, was mich

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