01. November 1938

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L. am 1. November 1938.

Liebe [Hilde]!

Bis zum Sonntag kann ich Sie nicht warten lassen. Bei meiner Rückkehr schienen die Sterne, nach denen Sie auf dem Bahnhof vergebens ausschauten, und heute ist heller Sonnenschein. Möchten es gute Zeichen sein! Die dunkelsten Schatten kommen da nicht auf. ½ 12 bin ich zu Bett, zu der Zeit, da ich auch Sie zu Hause wußte. Ich habe gebetet, für Sie um Kraft, für mich um Geduld und Zuversicht. Darauf habe ich bis früh 5 fest durchgeschlaffen. Mir kommen die Tränen, wenn ich daran denke, daß ich Sie allein so traurig in die dunkle Nacht mußte zielen lassen, Sie Ärmste, Gute; daß ich Ihren so schwer verdienten Urlaub verbittern mußte, Sie Armes, Gehetztes. Ich war so schwach und mutlos. So schnell konnte ich vergessen, daß wir uns doch schon so gut verstanden haben!

Wie konnte das so kommen? Weiterlesen!