07. Oktober 1938

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B. am 7. Okt. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Wenn ich am kom­men­den Sonn­tag mei­ne Dienst­räu­me’ wie­der be­tre­te, wird die Er­in­ne­rung an Ih­ren Be­such leb­haft wer­den. Sie ken­nen nun mei­ne Be­hau­sung, sind mei­ne Wege ge­gan­gen, und mir wird es manch­mal vor­kom­men, als sei­en Sie mit an­we­send und schrit­ten ne­ben mir, ich wer­de mich manch­mal ge­heim be­ob­ach­tet füh­len. Müde Bei­ne ha­ben Ih­nen zwei Tage lang die Er­in­ne­rung ge­walt­sam wach­ge­hal­ten. Das Wan­dern und Lau­fen ist mei­ne Pas­si­on. Ich brau­che dazu gar nicht im­mer ein Ziel, auf das ich be­son­ders spit­ze; oft gehe ich hin­aus nur, um mich aus­zu­lau­fen, um mein in­ne­res Gleich­ge­wicht wie­der­zu­er­lan­gen.

Da Sie all­tags so­viel in Räu­men sit­zen, kann Ih­nen die Be­we­gung an fri­scher Luft nur gut sein. Uns[e]re Be­geg­nung war nicht ohne Reiz. Sie war so ge­heim und doch nichts Ver­bo­te­nes. Sie war aben­teu­er­lich und doch nicht plan­los. Sie war für Zu­schau­er und Auf­pas­ser, wenn es sol­che ge­ge­ben hät­te, voll Frei­heit und über [die] ge­wohn­ten Gren­zen; aber wir bei­de steck­ten die Gren­zen der Frei­heit selbst und ach­te­ten sie. Ihre Mut­ter selbst hol­te Sie ab von die­sem aben­teu­er­li­chen Ren­dez­vous (Stell­dich­ein). Wei­ter­le­sen!