18. September 1938

[380918-2-1]

O., am 18.9.1938.

Lieber Herr [Nordhoff]!

Diese vergangene Woche ist mir fast eine Ewigkeit lang vorgekommen, ich war so in Sorge um Sie. Ihre lieben Zeilen haben mich beruhigt. Nichts wäre mir schrecklicher, angenommen im Kriegsfalle, Sie müßten mit fort, ohne daß ich Sie noch einmal sehen könnte. Sie haben recht, die Leute machen si[ch]

Terrorist-Aktionen Sudetendeutschen Freikorps, Quelle: Cesta k dekretům a odsunu Němců, 1938, herunterladen von http://en.wikipedia.org/wiki/File:Teroristick%C3%A1_akce_sudeton%C4%9Bmeck%C3%A9ho_Freikorpsu.jpg, August 2013
Terrorist-Aktionen Sudetendeutschen Freikorps, Quelle: Cesta k dekretům a odsunu Němců, 1938, herunterladen von http://en.wikipedia.org/wiki/File:Teroristick%C3%A1_akce_sudeton%C4%9Bmeck%C3%A9ho_Freikorpsu.jpg, August 2013

untereinander kopflos mit ihren dauernden Neuigkeiten; es beruht ja von dem vielen Gerede selten mal wirklich etwas auf Wahrheit. Ich hoffe fest auf einen glücklichen Ausgang dieser Lage. Gestern trafen hier 90 Flüchtlinge ein, sie wurden im früheren Arbeitslager untergebracht. Heute kamen noch 180 an, wie ein Samariter zu Vater sagte. Sie sollten einmal das rege Leben und Treiben sehen in O.. Die Bauern fuhren stundenlang Stroh herbei; Bäcker, Fleischer, Krämer und wer nur irgend in der Lage ist zu spenden, setzt sich für die armen Menschen ein. Ich möchte nur wissen, wie lange sie noch aushalten müssen, ehe alles wieder geregelt ist. Weiterlesen!