05. September 1938

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L. am 5. Sept. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Lan­ge hat der Sonn­tag in mir nach­ge­klun­gen, und es war kein Miß­ton in dem Klang. Ihre Fra­ge am Brie­fen­de sagt mir, daß auch Sie zu­frie­den wa­ren. Schon im Zuge habe ich mich über mei­ne al­ber­ne Ant­wort ge­är­gert: Doch, es war sehr nett”. Sie hät­ten nicht fra­gen sol­len. Sie dür­fen nicht glau­ben, daß ein klei­ner Ver­druß mich so leicht ver­stim­men könn­te. Daß Sie den Zu­schlag lös­ten, hat mich nicht ein­mal ver­dros­sen. Sie ken­nen mei­ne An­sicht: Sie brin­gen das Op­fer der grö­ße­ren Rei­se; was Sie in 2 Ta­gen ver­die­nen, habe ich in ei­nem; ein Mäd­chen muß an­ders rech­nen als ein jun­ger Mann. Ich habe auf Ih­ren Brief ge­war­tet. Wenn er am Frei­tag nicht ge­kom­men wäre, hät­te ich mir Ge­dan­ken ge­macht. Wei­ter­le­sen!