14. August 1938

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O., am 14. Au­gust 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

Heu­te früh er­hielt ich Ih­ren Brief. Die Nach­richt vom Heim­gan­ge Ih­rer lie­ben Groß­mut­ter hat mich er­schüt­tert. Wie un­er­forsch­li­ch sind doch Got­tes Wege. Sie ha­ben alle die furcht­ba­ren Stun­den mit­er­lebt, macht­los dem Schick­sal ge­gen­über. Und für ei­nen emp­find­sa­men Men­schen wohl das Schlimms­te — Ein­sam­keit im Her­zen.

Ich habe schon ein­mal ei­nen Men­schen mit dem Tode rin­gen s[ehe]n. Eine die den Tod such­te. Ich wer­de die­sen An­bli­ck nie­mals ver­ges­sen. Grau­en und tie­fes Mit­leid, das wa­ren mei­ne Emp­fin­dun­gen da­mals. Wei­ter­le­sen!