06. August 1938

[380806-​1-​1]

4.8.

B. am 6. Aug. 1938

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Es ist mir erst zu Hau­se recht deut­lich ge­wor­den, wie­viel Lau­fe­rei und Aus­la­gen ich Ih­nen zu­ge­mu­tet habe, als ich Ih­nen auf­trug, die Fil­me zu be­sor­gen. Sie ha­ben mich aber recht ver­stan­den: Sie soll­ten die Bil­der zu­erst se­hen und über die Auf­nah­men ver­fü­gen. Mit Span­nung und Ent­de­cker­freu­de langt man nach neu­en Bil­dern. Ich be­trach­te­te erst die Bil­der, eh[‘] ich Ih­ren Brief las. Ich war ent­zückt über die Auf­nah­me an der Brüs­tung. Wie Sie dort ent­rückt [*] nach [sic] zu den himm­li­schen Ge­fil­den auf­schau­en, das ist nicht ganz na­tür­lich, aber rei­zend. Ich bit­te um Gna­de für die­ses Bild. Sehr hübsch die Auf­nah­me am Fens­ter (ste­hend). Am we­nigs­ten ge­fällt mir, die nun noch üb­rig ist. Sie sit­zen dort et­was ge­drückt, das Ge­sicht et­was ver­knif­fen, die Nase un­güns­tig be­leuch­tet — ich hät­te das se­hen müs­sen. Die Auf­re­gung ist schuld, ich habe noch zu we­nig Übung in Bil­dern mit weib­li­chem Vor­der­grund. Wei­ter­le­sen!