18. Juli 1938*

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Naum­burg am 18. Juli. [1938]

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Heu­te speis­te ich also zu Mit­tag aus­wärts, im schö­nen Naum­bur­ger Rats­kel­ler bei ei­nem Gla­se Saa­le­wein. Gleich nach dem Es­sen habe ich Quar­tier be­zo­gen und bin nach der Ru­dels­burg ge­wan­dert, ei­nen rei­zen­den Weg auf den Hö­hen der Saa­le hin. Es ist ein Stück Land­schaft von ei­ge­nem Reiz. Der Bo­den ist kal­kig, macht tro­cken ei­nen wei­ßen Staub und gu­ten Durst, den ich im Burg­hof ge­löscht habe. Über Burg Saal­eck bin ich dann nach Bad Kö­sen ge­gan­gen und von da zu­rück­ge­fah­ren. Ich bin in ei­nen Gast­hof ge­ra­ten, der ist zu teu­er [f]ür mei­ne Ver­hält­nis­se. Am Nach­bar­ti­sche speis­te ein jun­ges ja­pa­ni­sches Paar, nach­dem es lan­ge auf der Spei­se­kar­te ge­sucht und mit Mühe sich ver­ständ­lich ge­macht hat­te. Nach dem Abend­brot will ich noch um die Naum­bur­ger Alt­stadt bum­meln. Den Dom will ich mor­gen vor­mit­tag [sic] be­su­chen. So ward aus Mor­gen und Abend der 2. Tag. Wei­ter­le­sen!

18. Juli 1938

[380718-​2-​1]

O., am 18. Juli 1938.

Lie­ber Herr [Nord­hoff]!

In Ih­rem ers­ten Stand­quar­tier grü­ße ich Sie herz­lich aus der Hei­mat. Ich bin stolz auf Sie — die­se wun­der­ba­re Aus­füh­rung der bei­den Plä­ne; die El­tern wa­ren so er­staunt über all das Schö­ne, daß uns be­vor­steht. Ich dan­ke Ih­nen! Mor­gen be­sor­ge ich die Fahr­kar­te, das Buch eben­falls. Ih­ren Vor­schlag mit dem Pa­ket kann ich nicht be­fol­gen, ich muß den Kof­fer neh­men (nicht er­schre­cken, er ist nicht so groß) [e]in Mä­del braucht in ei­ner Woc[he] mehr Sa­chen als ein Mann; ver­ste­hen Sie das? Ich grau­le mich schreck­lich vor wol­le­nen Strümp­fen! Doch es ist Ihr Wunsch, ich wer­de wel­che mit­brin­gen, auch mei­ne fes­tes­ten Schu­he. Sie sol­len ent­schei­den. Auf der Land­kar­te ver­fol­ge ich [I]hre Fahrt und wün­sche Ih­nen recht gu­tes Wet­ter. Noch­mals vie­len Dank für ihre Mühe, al­les üb­ri­ge re­geln wir dann. Auf fro­hes, ge­sun­des Wie­der­se­hen in Gos­lar, am Mon­tag um 1113 und recht herz­li­che Grü­ße von Ih­rer

[Hil­de Lau­be].