15. Juni 1938

Briefauszug, Zwei Handschriften
Briefauszug, Zwei Handschriften
Brief­aus­zug, Zwei Hand­schrif­ten

[380615-​1-​1]

14.6.38

L. am 15.6.38

Lie­bes Fräu­lein [Lau­be]!

Zum Dank schrei­be ich Ih­nen, was ich am 15. Mai in mein Ta­ge­buch schrieb.— Sa­gen Sie, ha­ben Sie im Le­ben auch ein­mal ei­nen Men­schen so recht von Her­zen lieb ge­habt?” So frag­ten Sie da­mals. Die­se Fra­ge hat mich er­schüt­tert, hat an mein Herz ge­rührt. Das hat mich in mei­nem Le­ben noch nie­mand ge­fragt, wer soll­te mich noch ein­mal so fra­gen? Wen wird es drän­gen, und wer wird es wa­gen, so zu fra­gen? Wem gibt mein Ge­sicht und mein We­sen auch ei­nen An­reiz dazu! Es ist eine ein­fa­che, kind­li­che Fra­ge, und sie zu stel­len, dazu ge­hört ein tie­fes, kind­li­ches Ge­müt. Sie konn­ten so fra­gen im ei­ge­nen Schmerz und viel­leicht, weil Sie mich durch­schau­ten. Wei­ter­le­sen!