06. Mai 1941

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Dienstag, am 6. Mai 1941.

Herzallerliebster! Mein geliebtes, teures Herz! Du mein [Roland]!

Du! Ich weiß garnicht [sic] mehr[,] was ich denken soll, es will und will nicht Frühling werden. Alles in der Natur draußen hat sich bereitet, zu blühen und zu grünen, aber es bleibt alles in den Anfängen stecken. Die Knospen und die ersten grünen Hälmchen auf Feld und Wiese, sie sind schon seit vielen Tagen bereit, sich weiter zu entfalten – sie [ve]rmögen’s nicht, die liebe Sonne fehlt. Was soll das werden mit uns[e]rer Ernte? Schon Mai, der Bauer kann nichts tun. So wie er die Samenkörner in die Erde streut, verfaulen sie, so naß ist es immer von neuem. Der Regen läßt schon seit Wochen nicht mehr nach, wenn auch mal ein schöner Tag dazwischen war, der kann aber alles auch nicht aufholen. Weiterlesen!

26. April 1941

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Sonnabend, den 26. April 1941.

Mein liebes, teures Herz! Meine liebe, liebste [Hilde]!

Die letzte halbe Stunde Helligkeit nütze ich, um meinen Gruß an Dich wenigstens zu beginnen. Es ist wieder ein herrlicher, warmer Abend, ganz blank ist der Himmel, recht Sonnabendstimmung, feiertäglich und friedlich, fehlt nur ein schönes Glockengeläut. Geliebte!! Wie freue ich mich darauf, mit Dir solchen Abend zu verleben, mit Dir die vielen, vielen Wochenkreise und den Jahreskreis – einen Tag um den andern, ohne Ungeduld, ohne Trennung, ohne Abschied, immer bei Dir – Herzlieb, Du!! Möchte diese schöne, liebe, traute Zeit recht bald anbrechen!!! Du! Du!! Sie wird sich einst erfüllen, so wie die vielen großen Wünsche uns erfüllt wurden, der größte, daß wir uns fanden und lieben lernten, oh so tief und heiß!!!!! Weiterlesen!

25. April 1941

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Freitag, am 25. April 1941.

Mein geliebtes, teures Herz! Du mein geliebter [Roland]! Herzlieb Du!!

Badetag ist heute! 3 Weiberl wollen baden! Und kein Bademeister ist zur Stelle! So eine Not!! Der beste von allen ist eingezogen! Und der andere hat Nachtdienst – ach, wenn doch erst Frieden wäre. Ja, mein Herzlieb! ¾ 9 Uhr am Abend ist es, da ich Dein denke. Den ganzen Tag über habe ich viel Arbeit gehabt mit der Säuberung uns[e]rer Wohnung, alle Zimmer hintereinander habe ich durchgenommen und zuletzt noch die Hausordnung. Da war ich am [E]nde ganz schön müde, aber das war nicht nur vom Schrubben – die Zeit ist bald herum, da ich mir Ruhe gönnen muß! Weiterlesen!

25. April 1941

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Freitag, den 25. April 1941

Mein liebes, teures Herz! Geliebte!! Meine [Hilde]!!!

Es dünkt mir noch kaum einen Tag, daß ich eben hier auf der Bank saß und mit Dir plauderte. Sie enteilen unversehens und reihen sich zu Wochen. Was treibst Du wohl eben? Soviel ich weiß, ist Mutter noch da zu Besuch. Wenn es bei Euch so schön ist wie hier, dann könntet Ihr jeden Tag einen feinen Bummel machen. Richtig heiß hat die Sonne heute wieder geschienen und beim Sport sind Arme und Rücken verbrannt. 56 Mann sind wir noch hier. Man weiß nichts Rechtes mit uns anzufangen. Der Leutnant spielt gern Fußball, und so geht es dann täglich 2 Stunden hinaus auf den Sportplatz, ein prächtiger Rasen. Ich spiele höchstes einen Tag um den anderen mit, sonst wird es mir zu viel. So waren wir heute eine kleine Gruppe, die einen ganz gemütlichen Faustball gespielt hat. Ach weißt [Du], es könnte jetzt anfangen, uns zu gefallen – aber daß die Post nun anders läuft, ist doch bös. Es heißt heute, daß wir Mitte nächster Woche abrücken werden. Warten wir ab. Weiterlesen!

22. April 1941

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Dienstag, den 22. April 1941

Mein liebes, teures Herz! Herzallerliebste, Geliebte mein!!

Uns[e]re Tage hier sind gezählt. Heute wurden wieder 20 Mann ausgesucht zur Abfahrt morgen früh. „Wir 3“ sind nicht dabei, Hapke ist mit darunter. Für uns kann auch stündlich der Befehl kommen. Die Reise dahin dauert etwa 3 Tage. Sie wird im Auto zurückgelegt. Viel[e] Kilometer sind es gar nicht; aber die Straßen werden durch den Nachschub stark befahren sein. Bald werden wir also am Ziele uns[e]rer Reise sein und – so hoffen wir – uns etwas häuslicher einrichten können, einen richtigen Arbeitsplatz bekommen — so werden uns dann die Tage rascher und die Wochen regelmäßiger vergehen – und damit, Herzliebes, die Tage der Trennung. Leicht kann es nun geschehen, daß die Post wieder ins Stocken gerät. Von heute ab muß der Hubo sich schon wieder fein gedulden: alle Post wird schon nach Saloniki geleitet. Weißt, wenn erst die Eisenbahn wieder richtig fährt von Saloniki aus, dann wird sie immer besser gehen zwischen uns. Für die ersten Wochen wird sie wohl etwas länger brauchen. Weiterlesen!