29. August 1940

Second World War Europe 08 1940 de
Europa, am Ende August 1940, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 08.2015.
S.,

Donnerstag den 29. August 1940.

Herzallerliebste!

Wenn Du jetzt hier wärest, könntest Du nun Deinen Soldaten mustern, Deinen Matrosen, wie es amtlich heißt. Ein großer Teil bekam blaue Uniformen. Ich bin feldgrau eingekleidet. Der gestrige Tag verlief so: Vormittags Langeweile, nachmittags einkleiden. Das gab wieder viel ergötzliche Bilder, verdutzte Gesichter, die Spiegel waren immer dicht umstanden von frischbackenen Rekruten, die [d]och nun auch recht schnell schmucke Soldaten sein möchten. Ich bin mit meinen Kleidern zufrieden, alles neu, nur die Stiefel gefallen mir nicht, sie sind im Schaft zu weit, aber sie passen. Wann werden wir diese Klamotten wieder los werden? Von der Unterhose bis zur Mütze bekamen wir alles ausgeteilt. Weiterlesen!

27. August 1940

 


S. am 27. August 1940

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Diese Anrede aus der Brautzeit, aus uns[e]rer Zeit des Wartens, soll nun noch länger Geltung behalten. Nun komm, Herzliebes, und laß Dir berichten. Voll Spannung fuhr ich nun nach Dresden. Ich gab mein Gepäck auf. Mit meinem Frühstück bin ich durch den großen Garten gegangen, unseren Weg, weißt Du noch, zum letzten Male in Freiheit. Zurück zum Hauptbahnhof. Eine Fleischbrühe habe ich noch genossen — dann trat ich den schweren Gang an, 10 Minuten vor 12. Ich fand dort schon alles versammelt und eingeteilt, fragte mich durch und stand dann und fand mich verlassen mitten unter einer Gruppe von Kraftfahrern. Weiterlesen!

10. Juli 1940

Hilde und Roland Nordhoff, Hochzeitsbild, 13. Juli 1940
Hilde und Roland Nordhoff, Hochzeitsbild, 13. Juli 1940

[400710]

Es gibt jetzt eine kleine Pause im Briefwechsel. Hilde und Roland lassen sich trauen und wohnen als Paar zusammen. Deswegen schreiben sie erstmal keine Briefe.

Der Briefwechsel fängt jedoch Ende August wieder an. Roland wurde zum Militär einberufen. Das Korrespondenz geht dann in ein neues Stadium ein.

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09. Juli 1940

O., am 9. Juli 1940.

Herzallerliebster! Mein lieber, lieber [Roland], Du!

Hurra! Es gibt noch Briefpapier! M.K. Papier! Und weißt Du, wer es ergattert hat für mich?, die Mutsch!! Gerade die, die will, daß ich nicht mehr schreiben soll. Ich hab[‘] mich ja gefreut.

Nun schreib[‘] ich gleich schnell nochmal heimlich, denn da macht[‘]s doch nochmal so viel Freude.

[A]llem voran, mein Lieb, will ich Dir recht herzlich danken für Deinen so lieben Sonntagsbrief. Er war mir ein großes Geschenk, Du! Weiterlesen!

06. Juli 1940

Vornehme Hochzeitsgesellschaft Wolfgang Heimbach
Wolfgang Heimbach, Vornehme Hochzeitsgesellschaft, 1637, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 07.2015.
S. am 6. Juli 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Ganz froh bin ich wieder. Freude und Jubel sind in mir. Will’s Gott, in acht Tagen um diese Stunde haben wir einander versprochen, Du! Und dann ist das Fest. Wir müssen uns den Verwandten widmen, müssen alle unter einen Hut bringen, müssen aufpassen, daß die Väter nicht stolpern in der Rede — die Stunden werden rasch vergehen — und dann, Liebes, Herzliebes! feiern [sic] wir Hochzeit, dann ist[‘]s für uns Hohe Zeit, in Deinem Schloß, Deinem Kämmerlein, dann will ich Dich festhalten und denken, daß Du nun lange, lange immer bei mir bist, in die Arme wollen wir einander schließen und hineinträumen in den ersten Tag unseres gemeinsamen Lebens. Weiterlesen!