27. Mai 1940

Plakat "Gesunde Eltern - Gesunde Kinder!", Hg.: NS Volkswohlfahrt, Reichsführung, Berlin, Entwürf: Franz Würbel, 1933, DHM 1990/533, 04.2015
Plakat “Gesunde Eltern – Gesunde Kinder!”, Hg.: NS Volkswohlfahrt, Reichsführung, Berlin, Entwürf: Franz Würbel, 1933, DHM 1990/533, 04.2015

[400527-1-1]

S. am 27. Mai 1940

Herzallerliebste, meine liebe [Hilde] Du!

Daran muß ich denken, daß in deinem Alltag in dieser Woche eine einschneidende Veränderung eintritt. Um mir zu folgen, Herzliebes, willst Du Deine Arbeitsstätte verlassen. Unaufhaltsam und immer deutlicher tritt das Vorhaben uns[e]rer Verbindung heran mit Umständen [u]nd Veränderungen. Waren es erst nur Veränderungen, die geheim nur uns beide angingen, so sind es jetzt bedeutsame, allen vernehmbare Schritte. Und fester müssen wir unsere Zuversicht und Glauben in die Hand nehmen: was jetzt geschieht und sich vollzieht ist unser Schicksal, das wir aus Gottes Händen empfangen. Weiterlesen!

26. Mai 1940

Auszug aus dem Brief
Auszug aus dem Brief

[400526-2-1]

# O., am 26. Mai 1940.

Herzallerliebster! Mein [Roland], Du!

Einen Brief hatte ich schon für Dich geschrieben, am Freitag — abends nach dem Bad als ich im Bett lag. Ich habe ihn aber gestern wieder zerrissen und verbrannt. Es braucht Dir nicht leid sein darum; denn Du wärst bestimmt traurig geworden darüber. Ich war so schwermütig an dem Tage; es lag daran, daß ich wieder einmal viel gesehen und gehört hatte, was mich aufregt. Weiterlesen!

25. Mai 1940

Belgian refugees. United Nations - NARA - 535895
Belgische Flüchtlinge, 1940, Office for Emergency Management, Office of War Information, US NARA, RG 208 (ARC identifier: 535890), über Wikimedia Commons, 04.2015
[400525-1-1]

S. am 23. Mai 1940.

Herzallerliebste, meine liebe [Hilde], Du!

So lange brauchte ich nicht nach der Feder zu greifen! Still ist es wieder geworden in meinem Hause [sic], nach froher Geselligkeit nun doppelt und seltsam still. Ich spüre frühmorgens nicht mehr den Atem hinter meiner Tür, brauche nicht mehr rücksichtsvoll leise zu treten. Du stehst nicht mehr bequem leibhaftig vor mir nach dem Dienst, ich muβ Dich wieder suchen, und wir müssen uns mit Worten wieder verständlich machen. Weiterlesen!

6. Mai 1940

[400506-1-1]

S. am 6. Mai 1940.

Herzallerliebste, meine liebe [Hilde] Du!

Bundesarchiv Bild 146-1981-060-03, Frankreich, Infanterie auf dem Marsch
Deutsche Soldaten auf dem Marsch, Frankreich, 06.2015
Hast meinen Boten recht vermißt, Herzliebes? Gestern konnte er nicht kommen, gestern ging einmal das Zuhause vor, Du! Ach es waren ein paar bewegte Tage. Am Freitag stellte man mich vor die Wahl, Soldat zu werden, Flugmeldedienst auf dem W.berg, der Vorgesetzte sucht dringend einen Mann und wandte sich gütig anfragend zuerst an mich, weil ich mich einmal dazu bereit erklärte. Gefühlsmäßig war meine Wahl schnell getroffen, jetzt auf meinem Posten auszuhalten. Nur ein paar Vernunftgründe ließen mich doch ein wenig zaudern. Ich erzähle Dir daran. Weiterlesen!

6. Mai 1940

Europa, Mai 1940
Europa im Westfeldzug, 10. Mai 1940

[400506-2-1]

O., am 6. Mai 1940.

Herzallerliebster! Mein lieber, lieber [Roland]!

Den ersten Brief schreibe ich Dir nun von dem schönen Blumenbriefpapier, da Du mir schenktst. Eigentlich müβte es ein besonders lieber Brief weden, Du?! Wieβt, seit wir uns so lieb haben, daβ es vieler Worte garnicht bedarf, um allem Glücklichsein, aller Liebe und Dankbarkeit Ausdruck zu geben, seitdem betrachte ich alles Geschrieben für Dich so kritisch, so mit anderen Augen, ob sich auch wahrhaftig die Stimmung widerspiegelt, die mich im Innern bewegt. Es ist oft schwer. Es scheinen die Zeichen so matt und glanzlos, dem wirklichen Erleben und Empfinden gegenüber. Du kennst mich, Liebster! Du liebst mich, Du verstehst mich. Das kann mich trösten darüber. Und — müβten wir nicht bangen vor der Zukunft, wenn alles, was wir einander ausdrücken möchten erst zu Papier gebracht werden muβ? Damit es recht verständlich und glaubhaft wird? Weiterlesen!