24. Mai 1938

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[380524-1-1]

L. am 24. Mai 1938.

Liebes Fräulein [Laube]!

Im vorigen Brief schrieb ich — mußte ich schreiben — an mehreren Stellen das Wort Gott, und ich war nicht ohne Besorgnis, Sie möchten das nicht verstehen. Umsomehr [sic] macht es mich getrost und zuversichtlich zu wissen, daß Sie einen Zugang zu Gott haben.

Gott ist der letzte Trost, der den Menschen von der Verzweiflung bewahren kann.

Sie werden mich nicht für einen Frömmler halten. Das Wort Gott geht mir nicht leicht von den Lippen und ich überlege oft, ob ich ein Recht habe, es hier und da zu schreiben. Ich bin so beschaffen, daß ich nichts unbesehen hinnehmen kann, ich muß prüfen, untersuchen, mir ein eig[e]nes Urteil bilden — und so ist es mir auch mit Gott gegangen, und ich bin damit auch noch nicht fertig. Weiterlesen!

20. Mai 1938

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O., am 20. Mai 1938.

Lieber Herr [Nordhoff]!

Es sind nun drei Tage vergangen, nachdem mich Ihre so lieben Zeilen erreichten. Lassen Sie mich Ihnen hierdurch meinen herzlichsten Dank sagen für das Vertrauen, das Sie mir schenken. Ich werde es zu schätzen wissen. Ich vergesse Ihnen niemals, daß Sie mir die Begriffe „Begehren und Liebe” in so wahren, eindringlichen Worten vor Augen hielten. Ich hab['] daraus ersehen, daß in vi[ele]n Dingen unsere Gedanken die gleichen Wege gehen. Ich fühle und denke so mancherlei, und doch vermag ich es oft nicht, in Worte zu kleiden. Vielleicht liegt es daran: Weiterlesen!

16. Mai 1938

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L. am 16. Mai 1938.

Liebes Fräulein [Laube]!

Unser Briefwechsel ist an einem Punkte angelangt, über den hinaus er mit Gewinn nur geführt werden kann, wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst und voreinander sind, und diese Bedingung stellt mich vor die Entscheidung, ob ich zum ersten Male in meinem Leben mich einem Menschen anvertrauen soll in Dingen, die ich bisher ganz zu unterst in des Herzens Schrein für mich bewahrt habe. Ich glaube, daß Sie ein unverbogenes, ehrliches Menschenkind sind und erachte Sie meines Vertrauens für würdig. Weiterlesen!

11. Mai 1938

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O., am 11. Mai 1938.

Werter Herr [Nordhoff]!

Gestern erhielt ich Ihren Brief. Ich danke Ihnen sehr. Vor allem aber dafür, daß ich mich Ihnen anvertrauen darf, daß Sie mir vielleicht als mein Helfer die Hand reichen können. Ich weiß, ich bringe Sie in eine sehr peinliche Situation; doch Sie müssen mich begreifen können. Wissen Sie, was es heißt, eine Freundin zu besitzen, die einem aber innerlich wiederum so fremd ist, wie nur irgendeine? Wenn man alles Leid, ohne welches das Leben nun mal nicht vorübergeht, allein tragen muss? Ich bin gewiss keine von denen, die sich bei dem geringsten Vorfall unterkriegen lassen; doch diesmal finde ich mich nicht allein weiter, ich muß einem Menschen mein Herz erleichtern. Und der Mensch, dem ich bedingungslos vertraue, sind Sie, Herr [Nordhoff]. Ich glaube an Sie, darum kann ich mich Ihnen anvertrauen. Weiterlesen!

8. Mai 1938

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[380508-1-1]

L. am 8. Mai 1938.

Wertes Fräulein [Laube]!

Am Sonnabend erhielt ich Ihren Brief. Ich habe unterdessen viel über Sie nachgedacht. Es ist sehr wenig wahrscheinlich, daß ich nach A. komme. Schreiben Sie, was Sie bedrückt. Sie wissen, daß es nicht in unrechte Hände gelangt, ich werde weder belächeln noch leicht abtun, was Sie schreiben. Wenn ich kann, will ich Ihnen gern helfen. Ich sitze nun hier in L., einem kleinen Dorf in in der Sächsischen Schweiz. Über manche kleine Wehmut und Traurigkeit hinweg bin ich doch dankbar für diese Wendung. Ich war in O. festgefahren in mancherlei Dingen. Was hier in L. meiner wartet, ist mir freilich noch verborgen und rätselhaft; aber ich bin der festen Zuversicht, daß es auch einen Sinn hat und zuletzt doch zu meinem Besten dient.

Schreiben Sie bitte ohne Absender, damit wir denen, die gern in Geheimnissen kramen (das kann in einem kleinen Neste schon der Briefträger sein), ein Schnippchen schlagen. Aus diesem Grunde schreibe auch ich ohne Absender.

Seien Sie meiner Wertschätzung versichert und herzlich gegrüßt

von [Roland Nordhoff],

L.

Nr. [x]