29. Juni 1940

Hugo Mühlig Spaziergang im Wald
Hugo Mühlig, Spaziergang im Wald, 19. oder 20. Jahrhundert, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 06.2015.
S. am 29. Juni 1940

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde] Du!

Freitagabend ist es. Eben bin ich zurück von meinem Abendbummel zur Baustelle in H.. Mit diesem Spaziergang schließt sonst mein Tageslauf. Heute war es ein wenig früher, daß ich zurückkehrte.

Herzliebes! Warten müssen wir. Es ist ein Muß, das wir uns selbst auferlegten. Die Zeitspanne verkürzt sich mehr und [m]ehr. Ob es mir schwerfällt zu warten? Du weißt, wie ich bin. Nachdem ich in das harte Muß eingewilligt habe, wiege ich mich auch nicht länger in falschen Träumen. Ganz fein still zu sein mühe ich mich. Einen Teil des Tages füllt die Arbeit aus. In der Freizeit darf ich Deiner denken, darf auf Post warten, und bin dann wieder selber dran mit schreiben. Weiterlesen!

27. Juni 1940

Agnes Miegel Tafel Königsberg
Agnes Miegel Tafel Königsberg. Sie wurde den Goethe-Preis im Juni 1940 verliehen. Bild: Wikswat, über Wikimedia Commons, 06.2015.
O., am 27 Juni 1940.

Herzallerliebster, Du! Mein lieber, lieber [Roland]!

Eigentlich soll ich Wäsche ausbessern, ein großen Berg liegt neben mir, und Strümpfe stopfen und Wäsche einsprengen, damit Mutsch gleich plätten kann, wenn sie heimkommt. Aber da denke ich eben daran, daß ich mich ja noch nicht einmal bedankt habe für Deinen lieben Sonntagsbrief. Und er war mir doch gerade diesmal doppelt lieb und wert. Du! Ich dank Dir [s]ehr, und ich schenke Dir einen recht lieben Kuß. Weiterlesen!

25. Juni 1940

SS Guinean
Evakuierende alliierte Truppen am SS Guinean im „Operation Ariel“, Juni 1940, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 06.2015.
S. am 25. Juni 1940

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde] Du!

Dienstag morgen 9 Uhr. Schulfrei ist heute Du sollst die erste sein, mit der ich diese Freude teile. Dann ist der Angfang zu meinem Mittwochbrief schon gemacht. Hat es doch noch 8 Tage gedauert, bis die Freude vom Montag uns[e]res Abschiedes ihre Krönung erfuhr. Ganz besonders freut mich, daß der fuhrer in seiner Botschaft von Demut sind Dank gegen Gott spricht. Wo mögen uns[e]re Soldaten [d]iese freude erleben? Ob nun die Aussicht auf den Urlaub besser ist? Weiterlesen!

24. Juni 1940

Lorenzo Veneziano The Birth of st John the Baptist. Wildenstein & Co. 1350-56
Lorenzo Veneziano, Die Geburt Johannes des Täufers, ca. 1356, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 06.2015.
O., am Johannistag 23 Uhr.

Herzallerliebster! Du mein geliebter [Roland]!

Himmelhoch jauchzen könnte ich vor Jubel und Freude!  Du!  Du!  Ist es denn nur möglich?  Sag, hast Du das vorhin auch erlebt am Rundfunk?  Ich weiß ja nicht, was ich mit meinem übervollen Herzen anfangen soll.  Ach, was gäbe ich, wärst Du jetzt bei mir! Weiterlesen!

22. Juni 1940

Bundesarchiv Bild 146-1982-089-18, Waffenstillstand von Compiègne, Unterhändler
Frankreich, Compiègne.- Deutsch-französische Waffenstillstandsverhandlungen.- Wilhelm Keitel, Charles Huntziger; 22.06.1940. DBa, Bild 146-1982-089-18 / CC-BY-SA, über Wikimedia Commons, 06.2015.
S. am 22. Juni 1940.

Hauptquartier des Bräutigams.

Herzallerliebste, meine liebe [Hilde], Du!

Zwei Briefe habe ich schon geschrieben, Du, nun mußt Dich mit dem begnügen, was noch übrig ist. Na, dann gleich mal ein Drückerl [sic] und ein Busserl vorweg, die sind alle noch da, ist noch kein[e]s verschrieben, Du! Es ist so warm, und am liebsten tät ich ja jetzt a bisserl Mittagsstunde halten, wenn[‘]s nur allein nicht so eintönig wä[re]. Ach Du! Wenn ich an den drei Wochen entlangsehe, dann kommen sie mir schon gar lang vor, ein wenig grausam, die letzten Wochen Junggeselle und Bräutigam! Aber 3 Wochen sind’s gar nicht mehr ganz, merke ich eben, Du! Na, und wenn es eins von uns gar nicht aushalten könnte – – aber keine Probe drausmachen, wie lieb eins das and[e]re hat, sonst komme ich gleich. Weiterlesen!