02. September 1939

Gertrud Stauffacher und Wilhelm Tell, Tellspiel- und Theatergesellscahft Altdorf, Inszenierung von Gustav Thiess, Public Domain, 08.2014

390902-2-1

O., am 2. September 1939.

Am Montag.

(2. September 1939.)

Mein lieber [Roland]!

Gertrud Stauffacher und Wilhelm Tell, Tellspiel- und Theatergesellscahft Altdorf, Inszenierung von Gustav Thiess, Public Domain, 08.2014

Der erste Tag wieder daheim, er verging im Vergleich mit dem vergangenen recht langsam und er war ausgefüllt mit strammer Arbeit. Es war mir nicht leicht heute, ich fühle recht deutlich, wie Ihr Lieben mich verwöhnt habt in diesen 14 Tagen. Ich bin so von Dankbarkeit erfüllt, daß ich diese schöne Zeit erleben durfte. Weiterlesen!

02. September 1939

390902-1-1

S. am 2. September 1939.

Herzliebes!

Einen Sonntagsgruß will ich Dir noch schreiben.

Bundesarchiv Bild 101I-012-0037-23A, Polen, Straßenkampf, Infanterie.jpg

Polen, Straßenkampf, Infanterie, BA Bild 101I-012-0037-23A, via Wikipedia Commons, 08.2014

Wo sind uns[e]re Ferientage geblieben, die sorglosen, glückbesonnten Tage? Hart und jäh wurden sie abgebrochen von den wildbewegten Tagen dieser Woche, und es gibt kein Ausschwingen und Nachkosten. Der dunkelste Gedanke aber, kaum faßbar: Während ich am Fenster sitze, umgeben von dieser so reich ausgestatteten, friedlichen Landschaft, da steht die Welt in Brand, nicht an irgendeinem Ende, sondern an einem Ende, das uns gehört und berührt. Weiterlesen!

31. August 1939

[390831-1-1]

S. am 31. August 1939.

Meine liebe, liebe [Hilde]!

Heute ist Dienstag. Diese Zeilen lege ich mir auf dem Dampfschiff zurecht. Ich habe jetzt einen eigenartigen Schulweg: Zu Fuß zum Wasserfall, mit der Straßenbahn bis B., mit dem Schiff bis S.. Weiterlesen!

06. August 1939

Auszug aus dem Brief

[390806-2-1]

O., am 6. August 1939.

Am Donnerstag.

Mein lieber, lieber [Roland]!

So leer ist es jetzt bei uns in den Räumen. Weiterlesen!

05. August 1939

[390805-1-1]

K. am 5. August 1939.

Meine liebe [Hilde]!

Briefmark, DR 1939 687 Automobilausstellung Auto-Union und Mercedes-Benz, Public domain über Wikimedia Commons, eingebettet 07.2014

Briefmark, DR 1939 687 Automobilausstellung Auto-Union und Mercedes-Benz, Public domain über Wikimedia Commons, eingebettet 07.2014

Nun sitze ich tatsächlich wieder in K.. Sprunghaft wie im Kino wechseln wir mit Auto und Eisenbahn die Schauplätze. Wenn ich hätte heimwandern müssen, wäre der Abschied länger geworden. Du hättest mich bis zur E. begleitet. Und dann hätte ich ja noch oft zurückblicken müssen, bis auch der letzte Schornsteinkopf und die Kirchturmspitze verschwunden wären. Und so langsamer und allmählich hätten sich auch die Gedanken gelöst von dem Vergangenen. Und so wird deutlich, wie die alte Zeit ohne Auto und Eisenbahn besser verarbeitete und verdaute. Weiterlesen!

24. Juli 1939

Auszug aus dem Brief

[390724-2-1]

O., am 24. Juli 1939.

Mein lieber, lieber [Roland]!

Für Deinen lieben Brief meinen herzlichsten Dank, und vor allem auch Dank für die schönen Bilder! Du hast mich sehr erfreut damit.

Denke nur, Deine Eltern haben mir gestern zur gleichen Zeit geschrieben, eine schöne Karte vom H.. Sie erwarten Dich am Dienstag erst, dann sieh nur zu, daß Du Einlaß findest, wenn Du schon heute, Montag ankommst!

Weiterlesen!

21. Juli 1939

[390721-1-1]

L. am 21. Juli 1939.

Meine liebe, liebe [Hilde]!

Mit Deinem Brief und Deiner Überraschung hast Du mir eine recht große Freude bereitet. Nun kommt mir erst die rechte Ferienfreude. Ferien mit Dir, Liebste, die Hälfte aller Tage, so Gott will, werde ich mit Dir verleben! Ich bin Dir so dankbar für die Überraschung, für Dein liebes Geschenk, Du! Bis heute war ich noch unentschlossen, ohne rechten Plan. Weiterlesen!

19. Juli 1939

DR 1939 688 Automobilausstellung Volkswagen Käfer, Erich Meerwald, 17. Februar 1939. http://de.wikipedia.org/, herunterladen 06.2014

[390719-2-1]

O., am 19. Juli 1939.

Mein lieber [Roland]!

Während ich hier im unheimlich schwülen Zimmer sitze, türmen sich am Himmel finst[e]re Wolken; jetzt erhebt sich der Wind, und er wirbelt den Staub hoch bis an meine Fenster — die ersten Tropfen fallen und nun strömt der Regen hernieder. Wie wohltuend die kühle, reine Luft meine Stirn umschmeichelt. Wenn das Wetter nur nicht so heftig wird. Weiterlesen!

14. Juli 1939

Adolf Wissel, Kalenberger Bauernfamilie, 1939, auf der Großen Deutschen Kunstausstellung von Hitler für die Reichskanzlei angekauft; Eigentum der BRD. Herunterladen von der Ausstellung „Adolf Wissel - ein Maler aus Velber“ der Heimatmuseum Seelze, 29.04. - 30.09.2012, herunterladen 06.2014

[390714-1-1]

L. am 14. Juli 1939.

Meine liebe [Hilde]!

Diese Woche ist mir schnell vergangen. Ich habe jeden Tag Deiner gedacht, aber nicht so ungeduldig wie vorige Woche. Ist es, weil wir am Sonntag uns so lieb hatten, oder ist es, weil wir hoffen dürfen, uns bald wiederzusehen? Auf der Heimfahrt — sie verlief ganz planmäßig — betrübte es mich, daß wir es dulden müssen, wie uns der Zug Kilometer um Kilometer, Haltestelle um Haltestelle auseinanderfü[hrt], Dich weit nach Westen, mich nach Süden, bedrückte mich auch der Gedanke, wie Pflicht und Beruf die Glieder einer Familie, die zusammen sich so gut helfen und stärken könnten, auseinanderreißt in Ferne und Fremde, wo nun jedes einzeln viel schwerer seinen Mann stehen muß. Weiterlesen!

13. Juli 1939

Auszug aus dem Brief

[390713-2-1]

O., am 13. Juli 1939.

!!

Auszug aus dem Brief

Auszug aus dem Brief

Mein lieber, lieber [Roland]!

Nach zwei glücklichen Tagen lag am Sonntagabend vor unseren Blicken wieder unser Abschiedsort, die große Dresdner Bahnhofshalle mit ihrem bunten Hasten und Treiben. Wenn wir dann durch den drängenden Strom der Reisenden glücklich durch die Sperre hinaus nach den Bahnsteigen gelangen, wartend beieinander stehen bis das Signal zum Einsteigen ertönt, dann drängt sich alles Empfinden, alles was so wichtig scheint und noch gesagt sein muß, auf die Lippen — und was ist es am Ende, was wir uns noch sagen? Weiterlesen!