20. März 1940

Auszug aus dem Brief, mit Fehler

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S. am 20. März 1940

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Bist doch wieder ein Schäfel, wie kannst Du Dich so ängsten [sic]! Als ich Dir schrieb, war doch schon wieder alles vorbei, fuhr doch der Fährdampfer schon wieder, ich habe doch meinen Brief schnell dahin gebracht. Schnell wie es kam, ist das Wasser gefallen. Großen Schaden hat es angerichtet in S., in W.. Ersaufen? Ersaufen konnte man im eigenen Keller. Aber sonst war von Lebensgefahr keine Rede. Weiterlesen!

20. März 1940

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Tetschen an der Elbe um 1900O., am 18. März, 1940.

Herzallerliebster, mein lieber, lieber [Roland]!

Beim Abschied machtest Du mich darauf aufmerksam, daß Du mir vielleicht in der kommenden Woche würdest nicht schreiben können. Ich war es ja auch zufrieden, ich kann auch verstehen, wie Du jetzt in dieser Zeit vor Ostern angehängt bist.

Und trotzdem habe ich nun schon dreimal ein Zeichen von Dir in Händen. Ich hab mich ja so sehr gefreut und ich danke Dir recht sehr dafür, Du! Enstaunt war ich, daß Ihr so einen seltenen Tag wähltet für den Ausgang nach Tetschen. Wir wählten früher nie den Freitag bei Ausfahrten. Weiterlesen!

17. März 1940

Rudolf  Schuster, Glashütte/Sachsen, nach dem Hochwasser, 1927, Rolf Dresden, 2006, Wikimedia Commons, Lizenz „Namensnennung," 03.2015

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S. am 17. März 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Diesmal muβte ich Dir den Sonntagsgruβ schuldig bleiben. Auch wenn ich ihn fertig gehabt hätte, er wäre heute nicht in deine Hände gehangt. Hör zu! Schon am Freitag war es hier in aller Munde: Das Eis kommt! Das Eis kommt! Das ist hier am Wasser ein richtiger kleiner Aufruhr. Weiterlesen!

13. März 1940

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O., am 13. März 1940.

Am Montag.

Herzallerliebster, mein lieber, lieber [Roland]!

Der erste Tag ist zu Ende gegangen.  Regnerisch und grau hub er an am Morgen, änderte sich auch nicht bis zur Stunde.  Meine Arbeit heute war öde und langweilig — und doch . . . . . Du!  Mein Liebster, Du!  Ich spüre ja alles Trübe um mich her kaum, wenn ich an Dich denke!  Die Sonne unseres Glückes überstrahlt alles, alles.  Du hast mich wieder so sehr glücklich gemacht mit Deinem Besuch, so reich an innerer Freude bin ich, ach, so froh, Du!  Was shadete das lange Warten, voll Ungeduld vorher?  Es lehrte uns doch nur die Stunden, die wir uns gehören dürfen erst recht schätzen. Weiterlesen!

13. März 1940

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Karelische Landenge 13. März 1940

Karelische Landenge am 13. März 1940, dem letzten Tag des Winterkriegs, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 03.2015.

S. am 12. März 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Heute hat der Frühling wirklich zum ersten Male um die Ecke geschaut. Die Erde ist ein einziges Rinnsal, sie bricht auf, sie tut sich auf der belebenden Sonne. Wieder geht ein Dienstjahr zu Ende. Bald jährt sich der Tag zum zweiten Male, da wir uns näherkamen, Herzliebes! Zwei Jahre schon, Du! Wie schnell scheinen sie mir vergangen jetzt. Denk nur zwei Jahre weiter, Herzallerliebste! Du! Die Rede vom ewigen Kreislauf der Jahre ist nicht sehr gescheit. Es war der vorige Frühling für Dich und mich ein and[e]rer als der vor zwei Jahren. Und der diesjährige, so Gott will, wird uns anders finden als der vorangegangene, Herzallerliebste, Du! Weiterlesen!

T&S Seminar SoSe 2015 Universität Wien

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Bild: Monika Breit. Heruntergeladen 03.2015

Bild: Monika Breit. Heruntergeladen 03.2015

Seminarankündigung

Modul 3: 080127 SE M310 Kultur – Geschichte – Gesellschaft„Trug und Schein“. Briefe aus dem und über den 2. Weltkrieg.

Institut für Europäische Ethnographie der Universität Wien, Sommersemester 2015

Das Seminar setzt sich am Beispiel des interdisziplinären Projektes „Trug und Schein“ mit Briefen als Zugang und Quelle zur Alltagsgeschichte in Europäischer Ethnologie und Geschichtswissenschaft auseinander. Ausgangspunkt bildet die Korrespondenz zwischen Roland und Hilde, die Einblicke in den Alltag des Dritten Reiches gewährt und Teil dieses experimentellen public humanities Projekts ist. Weiterlesen!

05. März 1940

Risto Ryti

Finnischer Ministerpräsident Risto Ryti überzeugte die andere Ministerin davon, dass sie sich für Frieden mit den Sowjets entscheiden sollen. Bild: 1939, Risto Ryti, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 03.2015.


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S. am 5. März 1940.

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

Aus einem Deiner letzten Briefe leuchtete mir Deine ganze mädchenhafte Herzlichkeit, nach der ich mich früher so oft sehnte, von der ich, wenn ich sie bei anderen sah, hoffte, daβ sie mir einmal gelten möge. Und von Dir beglückt sie mich doppelt, weil ich weiβ, daβ sie ein Geschenk ist, das Du eigens für mich aufgehoben hast, das Du nur einem bringen kannst, den Du ganz lieb hast und dem Du ganz vertraust. Weiterlesen!

03. März 1940

Zeitgenössisches Pfundsymbol im Hildes Brief.

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O., am 2. März 1940.

Herzallerliebster, mein lieber, lieber [Roland]!

Endlich ist Sonnabend….. so dachte ich heute und dabei war ich voller heimlicher Freude. Ich weiß selbst nicht[,] wie es über mich kam, die ganzen Tage her freute ich mich so sehr — auf Dich, Du!

„Bis zum Sonnabend könnte ich nicht warten, Dir meine Hand zu reichen.“

Du! Das hat sich mir so eingeprägt, als ich am Donnerstag Deinen lieben Brief bekam.

Wie kam es nur, daß ich mir so fest einbildete, Du würdest mir am Sonnabend leibhaftig Deine liebe Hand reichen? Weiterlesen!

01. März 1940

Fritz von Wille 0200

Fritz von Wille, Kerpen, Unterdorf mit Burgkapelle, 1907, gemeinfrei über Wikimedia Commons, 03.2015.

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S. am 01. März, 1940

Herzallerliebste, meine liebe, liebe [Hilde]!

In dem Weltentheater, dessen Zuschauer ich bin von meinem Fenstersitz aus, steht noch immer die Winterkulisse, und augenblicklich läßt es der Regisseur schneien. Der Winter führt noch das Regiment: das wurde mir auch klar, als ich am Sonntag von höherer Warte ein größeres Stück Welt überschauen konnte. Es liegt noch viel, viel Schnee, der Kältevorrat ist noch groß, zum Frühling ist es noch ein Stück. Nur der Sonnenstand gemahnt an den nahenden Freudenbringer. Es wecken diese Tage bei mir ganz eigene Erinnerungen. Weiterlesen!

28. Februar 1940

Bildungs- und Haushaltsschule zu Radeburg, Sachsen, 02.2015

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S. am 28. Februar 1940.

Herzallerliebste, meine liebe liebe [Hilde]!

Mittwoch ist. Du streckst mir Deine liebe Patschhand herüber, Herzliebes, und ich könnte nicht bis zum Sonnabend warten, Dir die meine zu reichen. Sei herzlich bedankt für Deinen Brief. Du! Lieberes könnte mir niemand schreiben. Daß Du Dich an mich lehnst und mir Dein Herz schenkst, Herzallerliebste, macht mich unsagbar glücklich. Weiterlesen!